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Februar 19th, 2009

der Ordnung halber: Moritz hatte die Wohnung am Schlachtensee angemietet ohne Maren vorher zu fragen. Am Telefon hatte er gelogen, als er sagte, er habe den Mietvertrag noch nicht unterschrieben, müsse dies aber bald tun, da so eine günstige Wohnung bald weg sein würde. Panik überfiel ihn., als sie sagte, sie könne das unmöglich machen, ohne die Wohnung gesehen zuhaben. Moritz sagte: “Aber die ist in Ordnung. Glaubst du mir nicht. Und zu dem Preis. Und außerdem ist sie ein bisserl außerhalb, genau wie du das willst. Sie sagte dieses zweifelnde Ja und er wiederholte sich und sie sagte, sie wüsste nicht und er sagte, er mache ein paar Photos und schicke sie ihr als Mail zu. Das war verflixt, weil er tatsächlich keinen digitalen Photoapparat hatte und niemand kannte, den er fragen könne. Sein ehemaliger Arbeitgeber war gerade nicht in der Stadt und er hatte keine Schlüssel zu seinem Berliner Studio. Und er selbst hatte überhaupt kein Equipment. Die Filme für die Hochschule hatte er entweder mit Kameras aus der Hochschule gemacht oder mit seiner alten 8mm Kamera. Er rief einen Freund an, der in Friedenau bei einer Schauspielagentur arbeitete und fragte, ob er so was hätte und er sagte, er hätte sowas nicht aber er könne mal fragen, ob er sich die Kamera der Agentur ausleihen könne, er würde zurückrufen und das dauerte, während er überlegte sich einfach eine kamera zu kaufen /sie hatten einen Digitalrekorder, den ihnen der Vater Marens zur Geburt geschenkt hatte, aber an den dachte er überhaupt nicht, aber schließlich rief der Freund an und gab grünes Licht. So musste er nach Friedenau fahren, einmal war er schon dort gewesen, zusammen mit einem anderen Freund waren sie mit dem Fahrrad dorthin gefahren und sich das Haus, die Stadtvilla von Günther Grass angeschaut, was auch so ein komischer Orientierungsloser Moment war, weil sie Grass nicht übermäßig schätzten und mit dem Fahrrad an irgendeinem Sommertag durch dieses Friedenau fuhren, ganz bürgerlich, ein bisschen Eppendorf, aber sonst überhaupt keinen Bezug. Auf dem Rückweg hatten sie irgendwo in Schöneberg bei Habibi eine Falafel gegessen. Das für ihn “Fremde” Westberlin war dann schon wieder verschwunden. Die Villa von Grass war im übrigen nichts besonderes gewesen, eine spröde Villaaus der Gründerzeit halt, die mit einer Seite schon wie bei Blockbebauung seitlich direkt an ein anderes Haut grenzte, geradezu angeklatscht wirkte. Und dies Haus war schon ein mehrstöckiges Mietshaus. Der Freund, der immer noch Architektur studierte, wohl im zwanzigsten Semester, erzählte ihm, dass ursprünglich in dieser Gegend Villenbebauung angesetzt war, dies aber durch das schnelle Wachstum der Stadt ebenso schnell obsolet geworden war. Sein Lieblingsthema war die Prämie für das Abschlagen des Fassadenstucks, das nach dem Krieg vom Senat ausgezahlt wurde. Immer wieder machte er vor den schmucklosen Gründerzeitfassaden halt, lächelte süffisant und berlinerte: Da hasde jutes Geld bekomm für und schön praktisch is et ooch noch” /oder so ähnlich/. Bei ihm war man sich nie sicher, ob er es ernst meinte oder nicht, ob er die Stadt mochte oder überhaupt gar nicht. Wenn er Geld hätte würde er nach Baden Baden und Himbeersträucher setzen sagte er immer ,wohnte aber in einer schicken ausgebauten alten Kreuzberger 4 Zimmerwohnung, die er sich von seiner Mutter hatte kaufen lassen/lassen durfte/musste/gewollt hatte. Sein Vater war wohl Professor für Medizingeschichte an der FU gewesen, seine Mutter, die immer noch immer im alten Haus in Dahlem lebte, hatte ihm die Wohnung bezahlt, wohl weil sie etwas in Sorge war, darüber, ob der Sohn einmal einen vernünftigen Berüf wieder ergreifen können. Nicht, dass Architektur kein vernünftiges Studium wäre, aber so wie es dieser Freund von Moritz, der übrigens Bernhard hieß, so wie es Bernhard tat, war es unwahrscheinlich, dass er in dieser Richtung einen tatsächlich “ein Leben machen würde”. Es sei denn man würde in einen besonderen Lehrstuhl für die Geschichte der Architektur und Ironie der vierten oder fünften Ordnung anbieten. Seine Kreuzberger Wohnung war eines Professors schon damals würdig gewesen. Es war voller Bücher, edlen Vorkriegsmöbeln aus den Beständen seines Vaters, darunter Designerteile nach denen sich einige Leute die Finger lecken würden. Karthun war einmal während eines Jobs in Berlin zusammen mit Moritz bei ihm gewesen und hatte sich sichtlich beeindruckt gezeigt von seiner Wohnung. Ungläubig hat er immer wieder “Ich fass es nicht” vor sich hingemurmelt und Bernhad hatte immer wieder süffisant auf berlinerisch darüber parliert, dass Karthun auf Werbung machen würde und hatte geragt ob er auch die Rama abgelichtet hätte usw. //ein bisserl erinnert das tatsächlich an Krömer// Karthun und Bernhard sind sich nicht wirklich grün geworden, wohl möglich, dass Bernhard, dessen Vorfahren über diverse Generationen hinweg Lehrstühle in ebenso diversen Fächern hielten, ihn icht im geringsten ernst nahm. Naja, immerhin hatte Bernhard schon zu Beginn einmal ein amerikanisches Fachbuch über Architektur ins Deutsche übersetzt, Moritz hatte bei Amazon nachgesehen, wenn man seinen Namen eingab erschien das Buch und er wurde als Übersetzer gepriesen, Amazon Verkaufsrang 2.047 245.
Die Schauspielagentur war tatsächlich auch in einer Friedenauer Villa untergebracht. Nicht unähnlich der Grasschen, da sie an einer Seite ebenfalls direkt an die Wand einer weiteren Villa gebaut war. Er klingelte und Ansgar, der Freund, den er angerufen hatte, brachte sie ihm raus. Er musste unten an der Tür stehen, betrachte einige telefonierende Köpfe, ein Mann, der tatsächlich wie Götz George aussah, steg aus einem gerade anhaltendem Taxi, Ansgar kam hinaus , grüßte den Mann und Moritz sagte gleich, “war das nicht…” und Ansgar, sagte leichthin “Ja, war er” und schärfte ihm ein, dass er vorsichtig sein solle, dass es keine gute Kamera sei, aber imerhin eine Kamera, die über ihn ausgeliehen worden sei. “Sicher” sagte Moritz abwesend, weil er über Westberlin als Westberlin nachdachte und sich dieses Cafe im Kulturinstitut ganz massiv und schwer in seiner Magengegend bemerkbar machte. Er dachte auch an Bernhard, der immer noch studierte, vor allem darüber, dass dieser sich beruflich keine Sorgen zu machen brauche, das Dahlemer Haus, dass er einmal erben würde, war auf anderthalb Millionen Euro taxiert worden. Ein riesiges Grundstück, in das man eine ganze Appartmentanalge für den höheren Dienst des Bundestages würde hineinsetzen können. Er, Ansgar und Bernhard hatten schon seit Jahren nichts mehr geeinsam unternommen.

zu Hertha

Februar 19th, 2009

/Moritz war St. Pauli Mitglied. Er hatte damals eine Wohnung ohne eigene Dusche. Das St. Pauli Vereinsheim war ganz in der Nähe. Unten im Keller gab es Duschen. Der Vereinsbeitrag betrug sechs westdeutsche Mark. Ein Vereinsobmann befragte ihn noch vorher, fragte, welche Liga er früher gespielt hätte. Moritz wurde etwas rot , erinnerte sich ím letzten Moment an einige diesbezügliche Ausdrücke und sagte, er hätte D-Schüler gespielt. Damit war das Gespräch beendet. Immerhin durfte er Mitglied werden und beim berühmten St. Pali duschen gehen. Auf Parties erzählte er denn auch sehr exzessiv von der Absurdität des Vorgangs, dass er sich gar nicht für Fussball interessiere usw. Einige von den wirklichen St. Pauli Fans fanden das gar nicht komisch. Immerhin träumte es Moritz einmal, in der Profi manschaft des FC Bayern Münschen mitzuspielen zu spielen, das Spiel fand auf dem Spielfeld des Dorfes seiner Großeltern im Spessartischen statt und er wollte natürlich verhindern, dass rauskäme, dass er gar nicht spielen könne, er wurde dann doch eingewechselt und er versuchte durch eine Art erkenntnistheortischem Trick //Fragen Sie nicht wie!!!!// ein Tor zu schießen, er machte es wohl auch, der Trainer nickte in die Runde, als ob sein Joker wirklich gezogen hätte, Moritz wollte sich selbst in dem Traum auf die Schliche kommen, schaffte es aber nicht, es roch nach Betrug, aber er wusste gar nicht wie die anderen reagierten und er überlegte, dass er vielleicht wirklich ein toller Spieler sei usw. usw. war sich aber nicht sicher usw. usw. Es war wohl ein Pokalspiel. Die sollen ja was besonderes sein./
//NAchtrag: Moritz hatte einen älteren Freund, der Hannover Fan war, wohl seine Heimatstadt. Dieser regte sich im Stadion bei Pauli darüber auf, dass viele schon Minuten vor der Halbzeit über die Abholung des BIeres diskutierten und am Spielgeschehen überhaupt keinen Anteil nahmen. Er war aus Interesse ins Stadion gegangen und ging daraufhin nur noch zu spielen des HSV. Mit Fussball hat das nichts zu tun, sagte er immer. Studienrat für Deutsche und Geschichte. Auto: Golf Diesel. Der vater hat bei VW in Wolfsburg gearbeitet. Dieser fährt einen VW Jetta, was er, sein Sohn, nicht besonders lustig findet.
//Generationenkinflikt, aber hier nicht unwichtig, die Tatsache, dass die Generation der heute 80 jährigen sich schwer taten mit Kombifahrzeugen. Meine sponatane Vermutung: Kombis waren die Stereotypen eines dienstlich bzw. beruflichgenutzten Autos /Spenglermeister Lutz Dombrowski steht seitlich auf dem Auto/ein normales privat genutztes Auto hat ein normales Heck mit normalem Kofferraum, da gibt es überhaupt kein vertun.

what you see is what you get

Februar 18th, 2009

Karl-Liebknecht-Straße. Es geht um das Intervall zwischen Spandauer Str. und S-Bahntrasse Alexanderplatz. Um die Seite, die hin zu den Hackeschen Höfen liegt, wenige Meter davon entfernt ist, aber wenig mit einander zu tun hat. /kam es ihm so vor/ Moritz hatte schon bei seinem ersten Besuch dort ein Gefühl der Orientierungslosigkeit. /Tatsächlich ist es Orientierungslosgkeit. Moritz hatte schon mehrmals über diees Gefühl nachgedacht, konnte es aber nie auch nur ansatzweise vernünftig beschreiben, die Metaphern, die er benutzte trieben ihn sofort in eine Richting, die weg von diesem Gefühl ging und nun, wo er einfach Orientierungslosigikeit sagte und sich dazu die Äusserlichkeiten der Umgebung, i.e. der Karl-Liebknecht-Str. dachte //große Satire//, dann stimmte es plötzlich/ vielleicht sollte man es einfach Losigkeit nennen, dachte Moritz, ihn hatte schon bei Anfahrt des Busses an die Station Marienkriche diese riesige Front der hochstöckigen Appartmenthäuser an dieser Stelle verstört, es war ja ein heißer Tag als er ausstieg, sah diese Fassade wie eine Eiger Nordwand vor sich und der Bus so ganz klein und irgendwie siffig, schmierig, eine alte Frau mit einer Gehhilfe und zwei halbstarke Schüler stiegen aus, weiche Knie hatte er plötzlich /wie er sie vielleicht in Ulan Bator hätte haben können vor dem Geheimdienstgebäudeoder etwas Ähnlichem. / Die Gewegplatten, die Außentreppe aus Beton, direkt daneben ein Areal mit Ziergesträuch, groß und verschossen, dass man den unteren Teil des Gebäudes gar nicht sehen konnte, nur etwas weiter oben auf dem abgeblätterten Weiß der Zwischendecke das grünweiße Logo des Instituts: KULTURINSTITUT. Moritz nennt es mal so. Neben diesen Sträuchern, akkurat eingezäunt von hölzernen WIndschutzwänden, die oben etwas Plexiglas hatten zum Durchsehen, standen einige Tische, an einem von ihnen ein älteres Ehepaar, eine ältere Dame mit dunkel leicht ins rötliche gehendem Haar und einem älteren Mann mit grauen Haaren, diesem dichten Haar, dass man zuweile bei Alpenländern antrifft, und tatsächlich trug er einen Stock der etwas alpines hatte und trotz des Sommes eine Art Filzhut, die Frau, die eine dunkle leicht schmetterlingsartige Sonnenbrille trug, schien etwas verstört auf ihren Mann zu blicken, vielleicht wollte sie von ihm wissen, warum sonst niemand hier draußen im Lokal saß, der Mann dagegen schien dagegen das gar nicht zu sehen strahlte nur aus, das er Durst habe, dass es hier wahrscheinlich etwas zu trinken gebe, dass ihm der Rst egal sei und ihr war es nicht ganz egal, vielleicht dachte sie, warum habe ich ihn geheiratet, aber es wird seinen Grund haben, vielleicht dachte sogar sie das: nihil est sine ratione cur potius sit quam non sit.
//EInen Ehrenplatz diesem Satz und einen kleinen für den sonst überschätzten Arthur, für seine berserkerhafte Zitierwut//
/Wenn es WIener gibt wird sie Wiener nehmen, dachte Moritz, der Mann ein Bier und sie wird erst gar nichts zu trinken bestellen und dann bei ihrem Mann mittrinken und auch eins bestellen, aber ein kleines. Man mus sich den blassen Kellner, so ein Berliner Atze Typ aus dem großwilhelminischen Kabinett eines Döblin, dazu vorstellen, in Kellnerkrleidung: dunkle Hose, weißes Hemd und eine bordeauxrote Weste und ein dickes Kellnerportemonaire an einer Kette, der sich daneben stellt und wegblickt, sich die Fragen anhört und ohne hinzusehen wiederholt: also 2 Paar Wiener und ein Bier, noch einen Moment wartet und dann mit versteinerten Blick abzieht.//wie vortefflich das im Sinne einer prästabilierten Harmonie zusammengeht, Zustand der touritischen Gäste und Verhalten des Kellner// Aber: Moritz dachte das nur, er wusste ja nicht mal woher die Touristen, immerhin das hatte er trotz der allgemeinen Losigkeit am Orte erraten, waren, geschweige denn konnte er sich vorstellen, dass der Kellner vielleicht drinnen dem Barmann “Na Hertha ganz schön auf die Fresse bekommen (in berlinerisch)” zuraunte und dann: “2 WIener und ein Bier”, vielleicht die AUgen verdrehte, aber Moritz wusste nichts über Hertha und auch nichts darüber, ob der Junge vielleicht Humor hatte und die Augen /selbstironisch/ verdrehte /und vielleicht ein gespräch darüber anfing , was mache ich hier eigentlich, wo bin ich hier gelandet/ der etwas unsichere Blick /trotz Sonnenbrille zu ahnen/ war aber unsterblich, dachte Moritz, diese Sonnenbrille, dass dunkel gefärbte Haar und diese rote Bluse und ihr Mann, ein Hollywoodproduzet aus den 50ern wie es sich eine deutsch-österreichische Filmproduktion ausgedacht haben mag oder ein ungarische Paar aus der Jetzt Zeit, ein verrücktestes britisches Paar in einer Zeitschleife, immer gut oder Australier, das hat es ja auch schon gegeben. Wahrscheinlich Amerikaner und der Mann hatte Anfang der 50er an der Humboldt studiert, aber auch das wusste er nicht, man müsste einmal nachfragen, die Anzahl der amerikanischen Studenten an der Humboldt Universität im Jahre 1952.
Steppig, ja, steppig, dachte Moritz, das trifft es auch und in diese Steppe hat man diese Häuser hineingestellt. Die Kirche, die gegenüber stand und riesig war, hatte er interessanterweise gar nicht in seine Überlegungen mit einbezogen / die Architekten des Appartmenthauses wohl auch nicht, aber das dachte er nicht, das hätte man denken können, aber vielleicht wäre es interessant, einmal die Gedanken des Architekten, die er vielleicht hinsichtlich der Kirche hegte, zu wissen. Vielleicht
/
Das ganze Missverständnis und die Losigkeit verstärkt sich durch die anderen Orte, beginnend am Nordsee-Restaurant, danach gleich das Blockhouse, um so geheimnisvoller, da es funktionierte in seiner amerikanischen Business-Selbstverständlichkeit, Moritz wird dort einmal zu Mittag essen, später, ein Schuhgeschäft, eine Anne Frank Institution, ein Frisieur und hinter dem Institut weitere Geschäfte, vor allem das EInkaufszentrum, über das noch später z ureden sein wird. Nur jetzt ganz kurz: Es hat eine seltsame Mitte dieses Einkaufszentrum, etwas ganz Tiefes, das, um es einmal hegelianisch zu fassen, ganz im Innern der Leute für sich besteht und von den Winden und Stürmen der GEschichte // zugegeben keine genaue Ahnung was Hegel darunter versteht, ich halte es hier mit Arthur// ganz unberührt bleibt. Nun, darüber wird noch zu reden sein. Aber:Zusammengefasst nocheinmal: Losig, steppig, Hollywoodprodzenten, ein Typ namens Atze, keine Schublade, dachte Moritz, keine Struktur, kein Label, nichts als das nackte bloße Leben. /Nicht Hegel, aber streetwise vielleicht/

ohne Worte

Februar 18th, 2009

//aufgefunden im Netz//

Etwas Ungarn, etwas Polen, mitten in Berlin
Von Kai Ritzmann 30. April 2004, 00:00 Uhr

“Engelsnähmaschine.” “Bettlerfahrdienst.” Welch schöne Worte. Wer sie finden will, muss das Haus Ungarn an der Karl-Liebknecht-Straße besuchen. Und die Bilder gibt es gleich dazu. Aber die Bilder entstehen eigentlich im Kopf. Zwar hat man den Schwarz-Weiß-Fotografien von Bruno Bourel und Lajos Parti Nagy aus dem heutigen Budapest wunderbare Texte beigegeben, aber dieses kleine Stück Ungarn in der Mitte Berlins entsteht doch eher in der Fantasie. Wir sehen Menschen und Stadtlandschaften und immer wieder Liebespaare und lesen dazu die seltsamsten Erklärungen. Hauseingänge werden zu “dunklen Magengruben”, die Sonne über der Donau wird zu einer “streberischen Sattlernadel”, die “in der Luft zittert”.

Ja, die Ungarn geben uns Träume, Träume, die wir längst verloren haben. Sie zeichnen die Realität weich, so weich, dass sie ins Poesiealbum passt. So weit weg ist Ungarn doch gar nicht, aber plötzlich ist es eine andere Welt. Draußen ist die harte Berliner Wirklichkeit, aber hier drinnen, da wird einem warm ums Herz.

Gleich neben dem Raum mit den Bildern betreibt Gyula Erdös ein Café. Seit 30 Jahren lebt er in Berlin. Er mag die Deutschen, ihren Fleiß, ihre Pünktlichkeit. Sogar wenn er zu Besuch in Ungarn ist, lobt er sie. Er blickt einen mit seinen grünen Augen an und spricht sehr ernst. Wenn er mit der S-Bahn fahre, sagt er, kaufe er auch eine Fahrkarte. Er ist sehr deutsch geworden, dieser Ungar in Berlin, der die Deutschen mag.

Ein Haus weiter warten die “MetroPolen”. Ein hübsches Wortspiel. Auch das polnische Kulturinstitut bereitet sich auf den 1. Mai vor, aber nicht mit Poesie. Polen ist jetzt. Polen ist rot-weiß, unübersehbar. Poppig, knallig wird im Erdgeschoss eine kleine Modenschau inszeniert. Polnische Modeschöpfer stellen aus: Zurück in die Siebziger, auf nach Polen! Das schönste Kleid, üppig dekoriert mit Federn, wiegt acht Kilo: ein Kleid für starke Frauen. Marcin Zastrozny legt an die Schau noch letzte Hand an. Er hat keine Zeit. Er will, sagt er, die polnische Avantgarde nach Berlin holen, aber das, sagt er, sei schwer. Bei polnischem Jazz ist das Haus voll, bei Chopin sowieso, aber zur Avantgarde kommen nur wenige. Viel Arbeit noch für Marcin Zastrozny. Schon ist er wieder weg, auf dem Weg zu seinen leblosen Modellen mit den ausladenden Faltenwürfen, schnell, schnell.

Ein anderer Pole, ein anderes Leben. Er will seinen Namen nicht nennen. Er sei 44 Jahre alt, so viel immerhin will er preisgeben. Er steht vor einer Art schwarzem Brett neben der polnischen Katholischen Mission in Tempelhof. Er sucht Arbeit. Vielleicht findet sich ja hier ein Zettel mit einem Angebot. Es muss ja nichts Großes sein. Irgendein Job, etwas Geld. Der Mann schaut von Zettel zu Zettel. Schwer sei es, sagt er, etwas zu bekommen. Seit drei Jahren lebt er schon in Berlin, sogar einen deutschen Ausweis hat er. Er zeigt ihn zum Beweis. Deutsch aber spricht er kaum. Kein Deutsch, keine Arbeit. Er blickt traurig drein. An dem Brett hängt die Visitenkarte eines “Erotischen Fotografen”, der “Models” sucht. Jemand offeriert seine Dienste für Wohnungsumzüge, ein anderer für Übersetzungen. Nichts Passendes für unseren Mann mit dem deutschen Pass. Sonntags, sagt er noch, komme er regelmäßig zum Gottesdienst hierher. Die Kirche sei stets voll. Noch ein letzter Blick auf die Zettel. Der Mann geht.

Ungarische Großstadtmelancholie, polnische Mode und traurige Augen: Wir brauchen eine Stärkung. Im Café Slavia gibt es “original böhmisch-mährische Speisen”. Wir bestellen Biergulasch mit Serviettenknödeln und einen Rotwein namens Frankovka. Die Tische stehen unter wuchtigen Kronleuchtern. An den Wänden des Lokals entlang winden sich Jugendstilornamente.

Slavia, lesen wir in der Speisekarte, sei eine Göttin und die “Mutter des Volkes”. Die Mutter des Volkes, nun auch in Friedenau angekommen, würzt ihre Speisen gut und kräftig. Auch in Prag, heißt es, gebe gibt es ein Slavia und Künstler würden dort verkehren.

Am Nebentisch unterhalten sich zwei Theaterleute. Es geht um ein neues Stück. Der junge Mann, die junge Frau sind ziemlich aufgeregt. Künstler im Slavia, immerhin, wer hätte das gedacht. Die Göttin hat’s gerichtet, die Göttin darf sich freuen. Ein bisschen Prag in Berlin, irgendwie.

Februar 13th, 2009

Moritz wollte eine Art Dokumentation über seinen Vater drehen. Sein Vater ist Jahrgang 1924 und war Soldat im Weltkrieg. Idee: Er sollte über die Zeit im Krieg reden und die unmittelbare Zeit danach. Später sollte der Ton weggedreht und die Bilder mit Originaltönen aus jener Zeit versetzt werden. Der Text des Vaters sollte danach während der Wiedergabe einer einfachen weißen Bildfläche abgespielt werden. Danach sollte es eine Pause geben und am Ende eine lautlose Sequenz von Häusern und Vorgärten genau dieser Generation von Leuten, i.e. Vätern, genau aus diesem Jahr, i.e. 1924 gezeigt werden.
So, in etwa, war der Plan. Vor Jahren hatte Moritz einmal seinen Vater danach gefragt und unbemerkt mit einem NAGRA Tondbandgerät, das er von einem Feund aus der Kunsthochschule geliehen hatte, aufgenommen. Es war kein großartiges Gespräch, aber es war Material, mit dem man arbeiten konnte. Er hatte das Tonband im Arbeitszimmer seines Vaters versteckt und es im Regal eingeschaltet, als er einen Atlas herausholte um mit ihm die Orte seiner Kriegsaufenthalte durchzugehen.
Er hatte hierzu eine Art theoretischen Text verfasst, über die nicht zu unterschätzende Bedeutsamkeit der dokumentarischen Dimension in den visuellen Künsten. Als er diesen soweit fertig hatte, kündigte er bei Kathurn, dem Fotographen, bei dem er nun fast zehn Jahre fest und sozialversichert gearbeitet hatte. Kathurn hatte keinerlei Einwände, er hatte nur für einen Augenblick zur Seite geschaut und wie nebenbei gefragt: “Wie lange bist du jetzt schon bei mir?” und schließlich, als Moritz es ihm sagte, “fast 10 Jahre” sagte, nur sehr kurz aber eindringlich genickt. Moritz war beinahe bestürzt darüber, wie schnell das ging. Kathurn mache ihm dann noch zu seinem Abschied ein Geschenk, eine Nikon F3 Kamera, die er häufiger benutzt hatte, wenn er für größere Werbekampagnen mögliche Aufnahmeorte zu besichtigen und zu dokumentieren hatte.

Februar 12th, 2009

Moritz hatte sich unter anderem mit einem kurzen Videofilm über eine vermeintliche Theaterpremiere an seiner alten Schule beworben. Zusammen mit einem guten Freund hatte er die Inszenzierung einer Inszenierung vorgenommen, hatte einen Raum für Proben beim Sekretariat angefordert, über einen längeren Zeitraum, von der Inszenierung eines eigenen Stückes erzählt, Plakate gemalt, es sollte angeblich “Das Endspiel” von Beckett gegeben werden und hatte schließlich bei der Premiere vor versammelter Eltern und Lehrerschaft den schwarzen Hund der Familie seines Freundes auf die Bühne geschoben, dies von der Seite mit einem Videogerät gefilmt, der Hund fing beim Anblick des Premierenpublikums an zu jaulen, zog sich in eine Ecke zurück und verschwand durch einen Hinterausgang, Moritz, der das ganze von der Seite aufgenommen hatte, war dann mit dem Rekorder ganz auf die Bühne gestiegen und hatte das Publikum mit der Kamera aufs Korn genommen. Das Publikum hatte die ganze Zeit ruhig auf ihren Plätzen verbracht, auch nicht sonderlich reagiert, als Moritz die Kamera nach unten nahm und gegen seinen Freund, der ihn mit einer zweiten Kamera aufnahm, gerichtet “Endspiel zu Ende” gesagt hatte. Moritz kam das schon albern vor, während er es sagte. Sie waren dann nach hinten rausgegangen und erst da war ihnen erst richtig aufgegangen, dass sie überhaupt kein Konzept hatten für das, was danach kommen würde, etwa, dass einer hinausginge und mitteilen würde, dass die Kunstaktion nun zu Ende sei, nichts dergleichen, überhaupt estmal, dass es eine Kunstaktion war, der Hund, der neben einem der Umkleidräume festgebunden war, jaulte noch immer und hatte auf den Boden uriniert, der Hausmeister, der ja zugegen sein musste , fragte “Was is jetzt des”, er war ein Bayer, den es nach Karlsruhe verschlagen hatte und Moritz folgte einer Laune und teilte ihm mit, dass sie jetzt fertig seien und er im Saal das Licht anmachen könne und die Türen zum Ausgang wieder öffnen, “Herrschaftszeiten” hat dieser nur gesagt und war kopfschüttelnd durch die seitliche Unterquerung der Aula nach vorne gegangen. Moritz und Oliver, der Freund von Moritz hieß Oliver, hatten inzwischen mit dem Hund das Weite gesucht, waren in das verabredete Café gefahren und warteten auf einige Freunde, die sie in die ganze Aktion eingeweiht hatten. Diese waren schon wenige Minuten nach dem die beiden das Café erreichten, ebenfalls eingetrofen. Die Stimmung war sehr gemischt, weil einige der Freunde davon sprachen, dass die Sache vielleicht “grenzwertig” gewesen sei, dass man das doch besser “irgendwie” in einen Rahmen hätte geben müssen und Moritz der noch imer rot und verschwitzt war, dem vor dem Publikum in der Aula “die Soße ” gelaufen war, sagte schnippisch, genau das sei es doch gewesen, sonst hätte man das wieder “abgemildert” und ein anderer gab zu, dass es schon komisch gewesen sei, wie der Hausmeister das Licht angemacht hätte und allein neben dem Publikum gestanden hätte und schließlich den Kopf geschüttelt und wieder hinausgegangen war und wie sich dann vorne, unter anderem bei den Kunstlehrern Köpke und Timonietzka die ersten Gesprächsgruppen gebildet haten und sich langsam eine Auflösung in Gang gesetzt hätte. Da waren die meisten der Freunde bereits gegangen und zum Café gefahren. Später kam noch ein anderer ins Café, der noch etwas länger geblieben war und berichtete, dass es “Ärger” geben würde, “richtig Ärger” und Moritz, der erstaunt war darüber, wie Ernst das dieser Freund sagte, hatte irgendwie das Gefühl von seinen Freunden alleine gelassen worden zu sein, dieser hatte zwar auch gesagt “war schon Lustig”, aber irgendwas war zerbrochen und irgendwas war allen, nicht nur Moritz, sondern auch den anderen , nicht geheuer. Moritz, der das Gefühl von Angst gespürt hatte, so ein Gefühl und ein Rutschen in der Bauchgegend, der es ja alleine gewesen war, betrank sich schrecklich, fast besinnungslos und fuhr noch alleine im Wagen seines Vaters nach Hause. Es hatte unter anderem deshalb etwas Schales auch für Moritz, weil seine Eltern als einzige bei dieser “Kunstaktion” nicht zugegen gewesen war, ja gar nichts von dieser Sache gewusst hatten und wahrscheinlich den Freitagskrimi, es war ein Freitag gewesen, wahrscheinlich “der Alte” (”der Kommissar” gab es ja schon lange nicht mehr.
Das Seltsame war, dass Moritz Eltern nie auch nur irgendetwas von der ganzen Sache mitbekommen hatten, denn außer einem Donnerwetter beim Direktor am nächsten Morgen hatte man entscheiden die Sache nicht weiter an die große Glocke zu hängen. Selbst der Lokalredakteur, der immer über Theaterinszenierungen an der Schule schrieb, hatte den Bericht ganz klein gehalten und nur über einen üblen Scherz an der X Schule berichtet, ein ganz kurzer Artikel war das. Es gab nicht mal sonderliches Gerede an der Schule, ein Zwischenfall ohne Folgen, wie Moritz dachte, alles war irgendwie unter den Tisch gefallen, selbst Köpke, sein Kunstleistungsfachlehrer, sagte, dass es prinzpiell gar keine schlechte Idee gewesen sei, das man aber “eben etwas hätte machen müssen” und verwies auf Konzeptkünstler, bei denen alles theoretisch eingebett gewesen sei, “aber genau deshalb” hätte Moritz erwidern wollen, “vielleicht Wein und Sekt und Häppchen zum besten geben”, aber er hatte geschwiegen.
Immerhin hatte der Film ihm wahrscheinlich geholfen auf die Kunstakademie zu kommen. Das Gefühl aber, das Gefühl ein räudiger Hund zu sein //lustig, im geheimen wie Freislers “Sie sind ja ein elender Hund” gesagt, er selbst// dies Gefühl war da, so als ob es von außen jemand hineingerufen hätte, aber da war ja niemand, es war einfach da.
/Er hatte am frühen Morgen, im betrunkenen Zustand eine alte Ray Charles Platte gehört. Anlass, an den alten Ray Charles zu erinnern. Erste Platte: *
1.Kiss Me Baby
2.Baby Let Me Hold Your Hand
3.How Long Blues
4.Sentimental Blues
5.Sitting on Top of the World
6.I’ve Had My Fun (Going Down Slow)
7.Don’t Put All Your Dreams in One Basket
8. She’s on the Ball
9. This Love of Mine
10.Baby Won’t You Please Come Home
11.What Have I Done
12.Misery in My Heart
13.Honey, Honey
14. I’m Glad for Your Sake
15.Hey Now
16.Snow Is Falling //

Februar 11th, 2009

Im Herbst waren sie nach Berlin gezogen. Laurenz war im August zur Welt gekommen. Es war sehr heiß gewesen, Moritz rechnete mit schrecklichen Komplikationen, aber alles war gut gegangen, überraschend glatt, auf einer Privatstation einer Klinik in Ulzburg. Der Vater hatte alles arrangiert, hatte alles in die Hand genommen, sogar mit den Ärzten gesprochen, war allerdings kurz vor der Geburt abgereist. Nur er und eine Freundin waren dabei gewesen,sie wollte, dass eine Freundin noch mit dabei war und Moritz störte es nicht, zumindest wusste er es nicht und er n die rolle hineingerutscht eben der mann zu sein, etwas vertrottelt und es eine Frauensache sei und die Ärzten scherzten mit ihm und alles ging einen Gang, den er nicht verstand und an dem er irgendwie unbeteiligt war, die Freundin wusste es besser, hatte auch schon ein Kind, aber er wusste nichts, hatte sich nicht darauf vorbeireitet und durfte schließlich das Kind in den Händen halten, schon abgerieben und getrocknet und Maren hatte “Na” gesagt und war im Ton in die Höhe gegangen, eine Vertrautheit, die ihn irgendwie rettete, so schien es ihm, und schließlich im Herbst waren sie nach Berlin gezogen, hatte schon im Kopf gehabt, bei dem Fotographen zu kündigen, tat es nicht, gab vor , wegen ihm nach Berlin zu gehen und da just diese Freundin, die bei der Geburt auch zugegen war, auch nach Berlin zog, hatte Maren eingewilligt und Moritz hatte schließlich in der ersten Woche in Berlin bei dem Fotographen gekündigt, wider alle Vernunft, er schaute sich selbst dabei zu und beantragte erst danach die Förderung für das Projekt und erzählte niemanden davon, es geschah wieder alles gleichzeitig und Moritz ließ es laufen und wußte, dass Maren es irgendwie auch cool finden würde, wie er es tat, aber gleichzeitig wusste er selbst, dass es alles andere war als eben cool, wusste aber nicht, aus dieser seltsamen Gleichzeitigkeit herauszukommen und ließ es laufen. Weiter.

Februar 11th, 2009

Wie war es gewesen, als sie aus New York zurückkam? Winter? Ja, Anfang Februar, ein Schneetreiben, aber der Schnee blieb nicht liegen. Kalt genug, um zu frieren und warm genug, um im überheizten Bus nach Fuhlsbüttel ins Schwitzen zu kommen. Sie hatte ihm geschrieben, dass sie am 9. des Monats in Fuhlsbüttel ankommen würde. Wie auf Schienen war er dort hin gekommen. Hatte nicht daran gedacht oder nur daran gedacht, an seinem Film gearbeitet, eingekauft, darüber nachgedacht, was sie vielleicht essen würde oder auch nicht, hatte ein Bio-Huhn gekauft, aber nichts vorbereitet und war mit S-Bahn und dann mit dem Bus durch das Schneegestöber zum Flughafen gefahren, alles zwischen Aufregung und Nichtaufregung, hatte in zweiter Reihe am Ankunft-Gate gewartet, sie gleich erkannt und “Na” gesagt und sie, sie hatte auch N”Na” gesagt, mit einem koketten Nach oben Gehen des Tones, und hatte sie in den Arm genommen und ihren Geruch wieder in der Nase gehabt, sie hatte ihr Parfum in Amerika nicht gewechselt, sie fühlte sich an wie immer, vielleicht schon ein kleines Bäuchlein unten, aber bewusst war ihm das nicht und sie gingen ins Balutschistan, ihr Lieblingsrestaurant und als sie ihm erzählte, sie sei schwanger, dachte er tatsächlich, dass sie ihn New York schwanger geworden war und sie ihm das erzählen wollte und musste und alles zu Ende war, hundert Sachen gleichzeitig waren da passiert, währenddessen sie wohl dachte, dass er gleich verstanden hätte und erst im weiteren Verlauf des abends realisierte Moritz, dass sie schwanger von ihm war und nun schon im fünften Monat oder im vierten, er verstand die Rechnung nicht, war und er weinte unwillkürlich und sie schien irgendwie glücklich zu sein und sie sprachen nicht darüber, ob sie vielleicht hätte abtreiben oder gar früher davon erzählen können, streichelten sich nur und schwiegen, während es bei Moritz ratterte und ratterte und abends, als sie zusammen ins Bett gingen und er daran dachte, wie sie das Kind gemacht hatten und er so geil war wie nie in seinem Leben, war er wieder so geil, wie nie in seinem Leben, aber sie wollte nicht mit ihm schlafen, jetzt nicht und er legte sein Ohr auf ihren Bauch und sagte, dass da jetzt ihr Kind drinnen sei und er war so geil auf sie und sie sah eigentlich aus wie immer, fühlte sich ein wenig abgespannt wegen des Fluges,wollte einschlafen und fühlte sein Geschlecht so hart wie nie und dachte an Gleichzeitigkeit von so vielem und wünschte, dass es , dass alles irgendwo in einem Buch im Katasteramt stehen würde.

Februar 3rd, 2009

Moritz war sich nie sicher gewesen, ob er zum Künstler berufen war. Im Grunde war er froh, dass er bei einem Fotografen als Assistent arbeitete, der sein Geld weniger durch Kunst als durch Werbung verdiente. Als Student der visuellen Kommunikation hatte er die technischen Vorraussetzungen und der Fotograf, der eigentlich keine Künstler wollte, hatte ihn trotzdem genommen. Manchmal dachte Moritz, dass er sowieso kein Künstler sei. Moritz wusste es nicht, aber manchmal dachte er das, wenn er versuchte herauszufinden, wer er sei. Und zwar, weil er es dachte. Das war ihm schon Beweis genug. Er hatte diese Mappe damals abgegeben und war angenommen worden. Das war praktisch die einzige Entscheidung in seinem Leben, die irgendwie getroffen worden war. Aber sie war nicht von ihm getroffen worden. Er hätte sich selbst nicht genommen. Natürlich ist das ein Unsinn. Dachte er. Aber irgendwo ,musste es doch geschrieben stehen. Das er Künstler war. In einem Buch, einem Katasteramt (nachlesen, was das genau ist). Während seiner Zeit auf der Akademie hatte er ein paar ironische Filmchen gedreht, die in der Akademie goutiert wurden, er hatte eine Art Haltung eingenommen als Zyniker und Intellektueller im Betrieb und wurde in Ruhe gelassen. Er hatte keinen der Lehrer als Vertrauten auserkoren und auch von den Studenten war niemand ein enger Freund geworden, ein Freund, mit dem er in langen Nächten über die Kunst und das Künstlertum diskutierte. Er kannte mehr Musiker als bildende Künstler, ja mehr Naturwissenschaftler als Künstler………..Und nun hatte er nicht mal mehr den Job als Assistenten. Er hatte ihm gekündigt, weil er nun schon so lange sein Assistent war und es nun Zeit sei, für ihn, Moritz, eigene Wege zu gehen. Ein Wahnsinn war das, als Moritz sich eingestehen musste, dass er fast zehn Jahre bei ihm gearbeitet hatte. Er hatte in der letzten Zeit wieder etwas für sich gearbeitet, einen kleinen Film entwickelt und schon einige Aufnahmen gemacht. Für ihn wollte er er sogar eine Förderung beantragen. begonnen hatte er damit, als Maren nach New York gegangen war und er hatte weiter gemacht, als sie aus New York ankündigte, dass sie schwanger war. Sie hatte nichts davon erzählt, dass sie zurückkommen würde……….

Februar 2nd, 2009

/ist eine Ost-West Geschichte, aber keine, die Linien zieht zwischen Personen oder zwischen Zeiten und so Grenzen überwindet, es macht alles vor den anderen Personen halt und ist ein Mosaik aus Einzelheiten, einzelnen Personen, die Linie, die darüber geht, ist das Unsagbare. Moritz hatte keine Verwandten im Osten, kannte auch kaum welche, die welche hatten. In Lübeck sah er einmal ein Schild, auf dem stand Schwerin, es hätte auch Wladiwostock darauf stehen können, das hätte keinen Unterschied gemacht, groß das Gefühl der Grenze und der Überwindung, süßes herzschweres Verlangen einmal dorthin zu kommen, hinter diese Grenze im Osten so wie vielleicht einmal ein Verlangen solche Sätze zu sprechen wie Hildegrad Knef und Ernst Wilhelm Borchert. Viele Gymnasiasten hatten das. Unausgesprochen und stark gerade, die die……/