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Februar 19th, 2009der Ordnung halber: Moritz hatte die Wohnung am Schlachtensee angemietet ohne Maren vorher zu fragen. Am Telefon hatte er gelogen, als er sagte, er habe den Mietvertrag noch nicht unterschrieben, müsse dies aber bald tun, da so eine günstige Wohnung bald weg sein würde. Panik überfiel ihn., als sie sagte, sie könne das unmöglich machen, ohne die Wohnung gesehen zuhaben. Moritz sagte: “Aber die ist in Ordnung. Glaubst du mir nicht. Und zu dem Preis. Und außerdem ist sie ein bisserl außerhalb, genau wie du das willst. Sie sagte dieses zweifelnde Ja und er wiederholte sich und sie sagte, sie wüsste nicht und er sagte, er mache ein paar Photos und schicke sie ihr als Mail zu. Das war verflixt, weil er tatsächlich keinen digitalen Photoapparat hatte und niemand kannte, den er fragen könne. Sein ehemaliger Arbeitgeber war gerade nicht in der Stadt und er hatte keine Schlüssel zu seinem Berliner Studio. Und er selbst hatte überhaupt kein Equipment. Die Filme für die Hochschule hatte er entweder mit Kameras aus der Hochschule gemacht oder mit seiner alten 8mm Kamera. Er rief einen Freund an, der in Friedenau bei einer Schauspielagentur arbeitete und fragte, ob er so was hätte und er sagte, er hätte sowas nicht aber er könne mal fragen, ob er sich die Kamera der Agentur ausleihen könne, er würde zurückrufen und das dauerte, während er überlegte sich einfach eine kamera zu kaufen /sie hatten einen Digitalrekorder, den ihnen der Vater Marens zur Geburt geschenkt hatte, aber an den dachte er überhaupt nicht, aber schließlich rief der Freund an und gab grünes Licht. So musste er nach Friedenau fahren, einmal war er schon dort gewesen, zusammen mit einem anderen Freund waren sie mit dem Fahrrad dorthin gefahren und sich das Haus, die Stadtvilla von Günther Grass angeschaut, was auch so ein komischer Orientierungsloser Moment war, weil sie Grass nicht übermäßig schätzten und mit dem Fahrrad an irgendeinem Sommertag durch dieses Friedenau fuhren, ganz bürgerlich, ein bisschen Eppendorf, aber sonst überhaupt keinen Bezug. Auf dem Rückweg hatten sie irgendwo in Schöneberg bei Habibi eine Falafel gegessen. Das für ihn “Fremde” Westberlin war dann schon wieder verschwunden. Die Villa von Grass war im übrigen nichts besonderes gewesen, eine spröde Villaaus der Gründerzeit halt, die mit einer Seite schon wie bei Blockbebauung seitlich direkt an ein anderes Haut grenzte, geradezu angeklatscht wirkte. Und dies Haus war schon ein mehrstöckiges Mietshaus. Der Freund, der immer noch Architektur studierte, wohl im zwanzigsten Semester, erzählte ihm, dass ursprünglich in dieser Gegend Villenbebauung angesetzt war, dies aber durch das schnelle Wachstum der Stadt ebenso schnell obsolet geworden war. Sein Lieblingsthema war die Prämie für das Abschlagen des Fassadenstucks, das nach dem Krieg vom Senat ausgezahlt wurde. Immer wieder machte er vor den schmucklosen Gründerzeitfassaden halt, lächelte süffisant und berlinerte: Da hasde jutes Geld bekomm für und schön praktisch is et ooch noch” /oder so ähnlich/. Bei ihm war man sich nie sicher, ob er es ernst meinte oder nicht, ob er die Stadt mochte oder überhaupt gar nicht. Wenn er Geld hätte würde er nach Baden Baden und Himbeersträucher setzen sagte er immer ,wohnte aber in einer schicken ausgebauten alten Kreuzberger 4 Zimmerwohnung, die er sich von seiner Mutter hatte kaufen lassen/lassen durfte/musste/gewollt hatte. Sein Vater war wohl Professor für Medizingeschichte an der FU gewesen, seine Mutter, die immer noch immer im alten Haus in Dahlem lebte, hatte ihm die Wohnung bezahlt, wohl weil sie etwas in Sorge war, darüber, ob der Sohn einmal einen vernünftigen Berüf wieder ergreifen können. Nicht, dass Architektur kein vernünftiges Studium wäre, aber so wie es dieser Freund von Moritz, der übrigens Bernhard hieß, so wie es Bernhard tat, war es unwahrscheinlich, dass er in dieser Richtung einen tatsächlich “ein Leben machen würde”. Es sei denn man würde in einen besonderen Lehrstuhl für die Geschichte der Architektur und Ironie der vierten oder fünften Ordnung anbieten. Seine Kreuzberger Wohnung war eines Professors schon damals würdig gewesen. Es war voller Bücher, edlen Vorkriegsmöbeln aus den Beständen seines Vaters, darunter Designerteile nach denen sich einige Leute die Finger lecken würden. Karthun war einmal während eines Jobs in Berlin zusammen mit Moritz bei ihm gewesen und hatte sich sichtlich beeindruckt gezeigt von seiner Wohnung. Ungläubig hat er immer wieder “Ich fass es nicht” vor sich hingemurmelt und Bernhad hatte immer wieder süffisant auf berlinerisch darüber parliert, dass Karthun auf Werbung machen würde und hatte geragt ob er auch die Rama abgelichtet hätte usw. //ein bisserl erinnert das tatsächlich an Krömer// Karthun und Bernhard sind sich nicht wirklich grün geworden, wohl möglich, dass Bernhard, dessen Vorfahren über diverse Generationen hinweg Lehrstühle in ebenso diversen Fächern hielten, ihn icht im geringsten ernst nahm. Naja, immerhin hatte Bernhard schon zu Beginn einmal ein amerikanisches Fachbuch über Architektur ins Deutsche übersetzt, Moritz hatte bei Amazon nachgesehen, wenn man seinen Namen eingab erschien das Buch und er wurde als Übersetzer gepriesen, Amazon Verkaufsrang 2.047 245.
Die Schauspielagentur war tatsächlich auch in einer Friedenauer Villa untergebracht. Nicht unähnlich der Grasschen, da sie an einer Seite ebenfalls direkt an die Wand einer weiteren Villa gebaut war. Er klingelte und Ansgar, der Freund, den er angerufen hatte, brachte sie ihm raus. Er musste unten an der Tür stehen, betrachte einige telefonierende Köpfe, ein Mann, der tatsächlich wie Götz George aussah, steg aus einem gerade anhaltendem Taxi, Ansgar kam hinaus , grüßte den Mann und Moritz sagte gleich, “war das nicht…” und Ansgar, sagte leichthin “Ja, war er” und schärfte ihm ein, dass er vorsichtig sein solle, dass es keine gute Kamera sei, aber imerhin eine Kamera, die über ihn ausgeliehen worden sei. “Sicher” sagte Moritz abwesend, weil er über Westberlin als Westberlin nachdachte und sich dieses Cafe im Kulturinstitut ganz massiv und schwer in seiner Magengegend bemerkbar machte. Er dachte auch an Bernhard, der immer noch studierte, vor allem darüber, dass dieser sich beruflich keine Sorgen zu machen brauche, das Dahlemer Haus, dass er einmal erben würde, war auf anderthalb Millionen Euro taxiert worden. Ein riesiges Grundstück, in das man eine ganze Appartmentanalge für den höheren Dienst des Bundestages würde hineinsetzen können. Er, Ansgar und Bernhard hatten schon seit Jahren nichts mehr geeinsam unternommen.